Start Projekte Limesinfozentrum Bundes-Jury berät über heimische Limesprojekte

Bundesjury berät über Limesprojekte

Vier Maßnahmen entwickelt

Die Region GießenerLand hat mit gleich vier Projektentwicklungen die erste Hürde beim Bundes-Investitionsprogramm zum Ausbau von UNESCO-Weltkultur-erbestätten genommen. Dies gab der Vorsitzende des Regionalvereins, Kurt Hillgärtner, am Dienstag während einer Pressekonferenz bekannt.

Hessenweit wurden 25 Projekte zur Bewertung durch das Hessische Ministerium für Wissenschaft und Kunst sowie dem Landesamt für Denkmalpflege eingereicht. Nur 14 Projekte konnten die Fachjury überzeugen - darunter auch die Ideen der heimischen Region.

 

 

Im Verlauf des Pressegesprächs, an dem auch die Bürgermeister der Städte Hungen und Pohlheim, Klaus Peter Weber und Karl-Heinz Schäfer, sowie die Schriftführerin der Region GießenerLand, Christel Gontrum, und Regionalmanager Dennis Pucher teilnahmen, wurden das Förderprogramm und die entwickelten Projekte vorgestellt.

Grundlage für die Maßnahmen ist ein Förderprogramm des Bundes zum Ausbau von UNSECO-Weltkulturerbestätten. In den kommenden drei Jahren stehen innerhalb des Förderrahmens 150 Millionen Euro zur Verfügung. Die Entscheidung über die Vergabe der gesamten Fördermittel wird aber bereits in diesem Jahr gefällt. Auch der in unserer Region zu findende obergermanisch-raetische Limes ist seit 2005 anerkanntes UNESCO-Weltkulturerbe.

Das Programm sah vor, dass die Maßnahmen zunächst im Hessischen Ministerium für Wissenschaft und Kunst gemeinsam mit Experten des Landesamtes für Denkmalpflege bewertet werden sollten.  Der Bund hat die Länder beauftragt, die Einzelmaßnahmen quasi als Vorfilter zu sondieren und nur die finanzierbaren und sinnvollen Anträge an das Berliner Ministerium weiterzuleiten. Insgesamt sind über 25 hessische Bewerbungen eingegangen. Am Ende dieses Prozesses konnten nur 14 Projekte die Landesjury überzeugen und wurden dem Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung zur abschließenden Entscheidung vorgelegt. Mit dabei sind auch vier Projekte aus dem GießenerLand.

Diese 14 verbliebenen Projekte werden nun gemeinsam mit den Maßnahmen aus anderen Bundesländern von einer weiteren Expertenjury unter Leitung von Dr. Florian Urban vom Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung erneut bewertet. Die Fachleute treffen Anfang Juni zusammen. Alleine zum Themenbereich Limes wurden bundesweit 60 Projekte eingereicht.

Die von der Expertenrunde abschließend ausgewählten Maßnahmen werden dann innerhalb von drei Jahren mit Bundesmitteln gefördert. Alleine in diesem Jahr müssen 50 Millionen Euro abfließen. Die Bewerberkommunen erhalten ihre Bewilligungsbescheide im Juli des Jahres.

Die Projekte der Region GießenerLand wurden in enger Abstimmung mit der Kreisarchäologie, der Unteren Denkmalschutzbehörde beim Landkreis Gießen, des Archäologischen Instituts der Justus-Liebig-Universität Gießen und dem Regionalmanagement entwickelt.

Konkret sind dies:

 

1.) Das Limesinformationszentrum auf Hof Graß bei Hungen

Fördergegenstand:

Mit der Errichtung eines Zentrums zur Information über die Geschichte des obergermanisch-raetischen Limes verfügen das GießenerLand und die angrenzende Wetterau über einen Leuchtturm in der touristischen Vermarktung des Limes.

Als Alleinstellungsmerkmal dient vor allem die thematische Schwerpunktsetzung in den Bereichen römischer Wassernutzung, Umwelt, Landwirtschaft und grenzüberschreitende Kontakte. Zudem bietet die Familienorientierung und Mehrsprachigkeit der Anlage einen deutlichen touristischen Mehrwert.

Im Außenbereich rundet der Limesrundweg die Gesamtanlage ab. Das Limesinformationszentrum ist durch den gerade entstehenden Limesradweg und den Limeswanderweg an die bestehenden Angebote optimal angebunden.

Es ist geplant, dass das gesamte Zentrum in Zukunft durch die Limesfreunde Hungen e.V. betrieben wird. Der Verein wird im Hinblick auf die Ausstellungsstücke, die öffentliche Kommunikation und im Marketing durch die OVAG sowie auch die Stadt Hungen unterstützt. Zudem übernimmt die OVAG die laufenden Nebenkosten wie Heizung und Strom.

Des Weiteren hat Herr Prof. Dr. Schallmayer bereits heute zugesagt, dass das Limesinformationszentrum auf Hof Graß vom Landesamt für Denkmalpflege Hessen sowohl fachlich als auch wissenschaftlich unterstützt wird. Die Wahl eines Betreibermodells ist zukunftsweisend für die touristische Vermarktung kommunaler Einrichtungen.

Die Maßnahme ist Teil des hessischen Limesentwicklungsplans.

Förderfähige Investitionssumme: 1.482.600,00 EUR

Beantragter Förderanteil: 988.400,00 EUR (entspricht 66,67 %)

geplante Umsetzung: ab 07/2009

 

2.) Infrastruktur am Limes zur Lenkung der Besucherströme in Pohlheim

Fördergegenstand:

Im Rahmen der Ernennung des Limes zum Weltkulturerbe wurde der Abschnitt im Bereich Pohlheim, Linden und Langgöns mit verschiedenen Informationstafeln ausgestattet, die das Leben rund um den Limes sowie die neusten Forschungsergebnisse darstellen.

Den Besuchern sollen mit der Einrichtung von drei Parkplätzen in fußläufiger Entfernung zum Limes die Möglichkeit eingeräumt werden in die Nähe des Limes zu fahren, sich einen Überblick über den Abschnitt im Norden zu verschaffen und Zusatzinformationen über Wanderwege, Lage der Informationstafeln und andere Ausgrabungsstätten zu erhalten.

Durch die beschilderte Bereitstellung von attraktiven Stellplätzen für Busse und PKWs soll eine gezielte Verkehrslenkung erfolgen. Bilsang werden durch das Fehlen eben dieser verkehrsinfrastrukturellen Abstellmöglichkeiten unkontrolliert landwirtschaftliche Feldwege genutzt, um bis unmittelbar an den Limes heranzufahren. Dies ist mit zum Teil erheblichen Belastungen der Feldgemarkungen verbunden und trägt nicht unerheblich zu Beschädigungen der Wallanlage vor allem am Wachturm in Pohlheim-Grüningen und am Kleinkastell in Pohlheim-Holzheim bei.

Durch eine lenkende Beschilderung auf den Parkplätzen sollen die Besucher informiert und eingeladen werden, sich auch mit anderen Projekten im Zusammenhang mit dem Limes zu beschäftigen.

Förderfähige Investitionssumme: 27.540,00 EUR

Beantragter Förderanteil: 18.360,00 EUR (entspricht 66,67 %)

geplante Umsetzung: bis 12/2009


3.) Förderung des familienfreundlichen Limes- Kurzurlaubs in Pohlheim

Fördergegenstand:

Um Bevölkerungsgruppen mit Kindern und mittleren Einkommen alternative Übernachtungsmöglichkeiten bieten zu können, plant die Stadt Pohlheim die Einrichtung eines Caravan-Stellplatzes mit angeschlossenem Zeltplatz.

Dazu soll in unmittelbarer Nähe zum Limes als Ergänzung zu den Angeboten eines landwirtschaftlichen Betriebes, der Ferienwohnungen anbietet, auf
2.000 m² ein Zeltplatz sowie ein Caravanstellplatz eingerichtet werden.

Die Plätze sollen um einen Sanitärtrakt mit Toiletten, Behinderten-24 Stunden-Toilette, Dusch- und Waschraum ergänzt werden.

Bei der hier geplanten Maßnahme handelt es sich um eine Privatinitiative, die von der Stadt Pohlheim unterstützt wird.

Förderfähige Investitionssumme: 97.700,00 EUR

Beantragter Förderanteil: 27.900,00 EUR (entspricht 28,6 %)

geplante Umsetzung: bis 12/2009

 

 

4.) Sicherung des Bodendenkmals in Pohlheim

Fördergegenstand:

Der Limes ist in der Gemarkung Grüningen zum Teil in privater Hand und wird als Ackerfläche genutzt. Dadurch entsteht die Gefahr, dass das Bodendenkmal beschädigt wird und in der Landschaft als solcher nicht mehr zu erkennen ist.

Die Stadt Pohlheim möchte im Bereich des Stadtteiles Grüningen die Ackerflächen in einer Breite von ca. 12 m ankaufen und als Brachstreifen entwickeln.

Die festgestellten Standorte früherer Wachtürme sollen durch Lesesteinhaufen markiert und durch die Pflanzung eines Solitärbaumes kenntlich gemacht werden.

Durch die Sichtbarmachung und Sicherung des Weltkulturerbes Limes erhöht sich die Attraktivität der Kommune für Touristen und als Wohnort.

Förderfähige Investitionssumme: 67.200,00 EUR

Beantragter Förderanteil: 44.802,00 EUR (entspricht 66,67 %)

geplante Umsetzung: bis 12/2009