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Ziel: Sieg beim Bundeswettbewerb Bioenergie-Regionen 2009
„Was hier als Kooperation für einen Wettbewerb begann, wird der Anfang einer intensiven Zusammenarbeit zwischen den Landkreisen Gießen und Vogelsberg im Bereich Erneuerbare Energien sein", waren sich die beiden Landräte Willi Marx (Gießen) und Rudolf Marx (Vogelsberg) bei der Präsentation des Regionalentwicklungskonzepts (REK) für Bioenergie einig.
Das 44 Seiten starke Papier beinhaltet unter anderem konkrete Ziele und Maßnahmen, die die Region bis 2015 umsetzen möchte. Das REK ist Teil der Bewerbung der Bioenergie-Region Mittelhessen, bestehen aus den Landkreisen Gießen und Vogelsberg und den beiden LEADER-Regionen GießenerLand und Vulkan Vogelsberg, beim Bundeswettbewerb Bioenergie. Der Wettbewerb startete im Sommer dieses Jahres mit über 200 Teilnehmern. Aktuell sind neben der heimischen Region nur noch 49 weitere im Rennen.
Sichtlich stolz präsentierte die Steuerungsgruppe des Wettbewerbs den vorläufigen Höhepunkt ihrer Anstrengungen. Das gemeinsame Regionalentwicklungskonzept im Bereich Bioenergie der Landkreise Gießen und Vogelsberg sei ein Meilenstein in der Zusammenarbeit der beiden Gebietskörperschaften im Herzen Hessens, waren sich die beiden Landräte Willi Marx und Rudolf Marx einig. Das unter Federführung der Klimaschutz- und Energieagentur Mittelhessen (KEM) und dem Institut für ländliche Strukturforschung Frankfurt (IFLS) erstellte Papier zeige kurzfristig Chancen und Wege, um von der Energiewende zu profitieren.
Der Titel „Verbundcluster Bioenergie-Region Mittelhessen - mit Partnern dauerhafte Potenziale erschließen - Natur- und Kulturlandschaft pflegen und erhalten" und die damit verbundenen zwölf Kapitel, 44 Seiten und über 16.000 Wörter des Entwicklungskonzeptes sollen die Bioenergie-Region Mittelhessen zu einem der Sieger in dem bundesweit ausgeschriebenen Wettbewerb „Bioenergie-Regionen" machen. Der Zuschnitt der Region Mittelhessen ist dabei auf den ersten Blick nicht selbstverständlich. Aber auch auf diese Frage gibt das REK eine Antwort: Zwar sei der Landkreis Gießen gegenüber dem deutlich ländlicher strukturierten Vogelsberg dicht besiedelt und verfüge mit der Stadt Gießen über einen großen Absatzmarkt für Bioenergie, doch trotz aller bestehenden Unterschiede in der Landschaft und der Bevölkerungsdichte überwiege „die Kooperation zwischen den Akteuren auf institutioneller, wirtschaftlicher und persönlicher Ebene". Das liege nicht zuletzt auch an der Offenheit der Vogelsberger gegenüber ihren Nachbarn. Auch auf das erste gemeinsame Bioenergieforum Anfang November im Licher Bürgerhaus seien auf Anhieb die Hälfte der anwesenden Fachleute aus dem Vulkangebiet gekommen. Bei dieser Veranstaltung sei es auch um den „grundsätzlichen harmonischen Dreiklang von Ökonomie, Ökologie und Sozialem" gegangen, unterstrich der Geschäftsführer der KEM, Peter Momper, eingangs der Präsentation die Konzeptphilosophie. Im Papier finden sich daher auch die dort mit den regionalen Akteuren erarbeiteten Handlungsziele, Arbeitspakete und Meilenstein in den Handlungsfeldern „Vernetzung und Akzeptanzsteigerung", „FuE, Technologietransfer, Qualifikation und Wissenstransfer" und „Ausbau von Wertschöpfungsketten".
Das Regionalentwicklungskonzept selbst geht im Weiteren auch auf die Stärken und Schwächen sowie die Chancen und Risiken der Kooperationsregion ein. Hier steht vor allem das hohe Rohstoffpotential in den Bereichen Acker- und Grünland sowie Forst auf der Positivseite. Zusätzlich ist auch die besonders hohe Dichte an relevanten Wissenschafts- und Transfereinrichtungen zu nennen. Als negativ wird unter anderem der immer noch anhaltende Strukturwandel in der Landwirtschaft genannt. Damit einhergehend konnte auch eine unterdurchschnittliche Nutzung von Biomasse und Engpässe in den bereits bestehenden Wertschöpfungsketten erkannt werden.
Aus dieser Analyse werden letztendlich konkrete Maßnahmen und Handlungsempfehlungen abgeleitet, die allesamt bis spätestens 2015 angelaufen seien sollen. Die Bioenergie-Region will hier mit neuen Verfahren und Technologien und in enger Zusammenarbeit von Wirtschaft, Wissenschaft, Landwirtschaft und Bevölkerung in erster Linie innovative Konzepte zur Nutzung ihrer großen Bioenergiepotenziale umsetzen. Dazu soll ein wesentlicher Schwerpunkt im Ausbau von Wertschöpfungsketten im Bereich Holz liegen. In diesem Segment trifft ein hohes Bioenergiepotenzial auf geeignete Infrastrukturen, die vor allem im Vogelsberg zukünftig deutlich ausgebaut werden. Hieran anknüpfend sollen unter anderem regionale Holzhackschnitzel- und Pellets-Logistik-Ketten aufgebaut werden. Die heimische Region will zudem einen gezielten Anstoß zur Errichtung weiterer Biogasanlagen geben, um bisher ungenutzte Potentiale weiter zu erschließen. Innovative Ideen will man vor allem mit Hilfe der Hochschulen weiter voranbringen und generell die Vernetzung unter den Akteuren vergrößern. Gemeinsam mit den LEADER-Regionen sollen die Aktivitäten zur Erzeugung und Nutzung von Bioenergie weiter konzentriert und gebündelt werden. Die KEM bildet dabei den inhaltlichen und organisatorischen Mittelpunkt der Bioenergie-Initiative.
„Das Konzept steht und die Inhalte sind wirklich beeindruckend. Alle haben in kurzer Zeit ihr Bestes gegeben. Jetzt können wir nur noch die Daumen drücken und hoffen, dass wir im Frühjahr mit unseren Ideen zu den endgültigen Gewinnern zählen", brachte Landrat Willi Marx den Wunsch aller Beteiligten auf den Punkt. Marx weiter: „Das ist eine Riesenchance für die Landkreise Gießen und Vogelsberg. Die grüne Mitte Hessens soll zukünftig auch das Zentrum für Erneuerbare Energien in Hessen werden."
Das Regionalentwicklungskonzept „Verbundcluster Bioenergie-Region Mittelhessen" wird Anfang der kommenden Woche beim Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz in Berlin zur Bewertung eingereicht. Gelingt es dem Papier die Fachjury zu überzeugen, stehen ab nächstem Frühjahr für die beschriebenen Maßnahmen Fördergelder von rund 400.000 Euro zur Verfügung. Diese Mittel können dann innerhalb der nächsten drei Jahre abgerufen werden. Die Entscheidung des Ministeriums wird für März erwartet.
(März 2009) |